Neuer Wirkstoffansatz gegen Lymphödeme: Hoffnung bei Schwellungen und Gewebeverhärtungen
Nach Angaben von Medical Xpress gibt es für Patienten mit chronischem Lymphödem bisher nur eine Therapie: Kompressionsstrümpfe und das tägliche Wickeln des betroffenen Arms oder Beins.

Lymphödem: Studie testet entzündungshemmenden Wirkstoff
Viele meiner Patienten beschreiben das Gefühl, als trüge das Bein eine bleierne Last, eine Haut, die sich verhärtet, und die ständige Sorge vor einer erneuten Infektion. Nun liefert eine klinische Studie der Stanford Medicine erstmals Hinweise darauf, dass ein oral verfügbarer Wirkstoff die Schwellung und krankhafte Gewebeveränderungen spürbar lindern könnte.
Ein gezielter Eingriff in die Entzündungskaskade
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Acebilustat, ein experimenteller Wirkstoff, den 23 Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer mit Lymphödemen der unteren Extremitäten einmal täglich über zwölf Monate einnahmen. Die von Stanley Rockson geleitete Prüfung setzt an einem zentralen Baustein jener Entzündungskaskade an, die das Lymphödem antreibt, jenem schleichenden Prozess, bei dem das Gewebe zunehmend vernarbt, Fett einlagert und seine Elastizität verliert. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Scientific Reports, zeigen, dass mehrere der belastendsten Symptome messbar zurückgingen: Schwellung, Schweregefühl und die Anfälligkeit für wiederkehrende Infektionen. Erstautorin der Studie ist die Doktorandin Catharine Bowman, Seniorautor Stanley Rockson selbst.
Was bleibt und was sich ändern könnte
Matthew Holbreich, der seit 23 Jahren mit einem chronischen Lymphödem lebt und selbst an der Studie teilnahm, beschreibt die aktuelle Versorgung als sehr antiquiert: Abgesehen von Kompressionsstrümpfen und intensivem Wickeln gebe es heute keine zugelassene Therapie. Diese Lücke könnte Acebilustat schließen, sollte sich die Wirkung in größeren Folgestudien bestätigen. In meiner Praxis erlebe ich täglich, wie vielschichtig ein Lymphödem ist. Häufig entsteht es nach einer Lymphknotenentfernung oder Bestrahlung im Rahmen einer Brustkrebs- oder gynäkologischen Krebstherapie; auch Adipositas, Herzinsuffizienz und Schlafapnoe erhöhen das Risiko. Nach Schätzungen sind allein in den USA rund zehn Millionen Menschen betroffen, weltweit vermutlich mehrere hundert Millionen.
Wo die manuelle Lymphdrainage bleibt
Solange kein zugelassenes Medikament verfügbar ist, bleibt die manuelle Lymphdrainage ein zentraler Pfeiler der Behandlung. Mit sanftem Druck und rhythmischem Sog regt sie den Abtransport der Gewebsflüssigkeit aus dem Interzellularraum an, entlastet das Gewebe und kann das Fortschreiten der Fibrosierung verlangsamen. Sollte Acebilustat die Zulassung erreichen, stünde diese mechanische Arbeit erstmals nicht mehr allein: Ein entzündungshemmender Wirkstoff könnte sie gezielt ergänzen. Für meine Patienten bedeutet das vor allem eines, ein Stück zurückgewonnene Leichtigkeit im Alltag.